Lea Beck-Knoll und Vera Klar-Winter, Dezember 2011

Am Anfang dieses Monats haben hier die großen Ferien begonnen. Dadurch ist es bei uns jetzt immer total voll und laut, da die ganzen großen Kinder jetzt immer zu Hause sind. Sie toben durch die ganze Wohnung und haben so unglaublich viel Energie.

Deshalb versuchen wir uns Spiele zu überlegen, damit sie kleine Aufgabe haben. Letzte Woche haben wir auf Din A1 Papiere ganz viele Tiere gemalt und mitgebracht: Löwen, Leoparden, Elefanten, Affen, Zebras und und und… Jedes Kind konnte ein eigenes Tier ausmalen. Natürlich gab es erst mal ein großes Gerangel, wer welches Tier ausmalen darf. Aber als alle sich für eins entschieden hatten, war es ein richtig toller Tag und wir haben alle vollendeten Kunstwerke an die Wände der Zimmer gehängt.

Nächste Woche wollen wir mit den Kindern Plätzchen backen und damit sie nicht allzuviele davon selber futtern, werden wir sie in kleine Tüten packen und sie an die Commiunity spenden.
Abgesehen von dem ganz normalen Alltag ist gerade auch eine Zeit des Abschieds, denn über Weihnachten gehen beinahe alle Kinder in ihre Familien zurück. Einige bleiben dort auch für immer. Diese Woche haben wir uns von zwei Kindern verabschiedet. In beiden Fällen haben die sozial worker entschieden, einen neuen Versuch zu starten und sie zurück in ihre Familien zu bringen. Wir und auch Agnes sehen dieser Entscheidung mit etwas gemischten Gefühlen entgegen. C.‘s Familie wohnt außerhalb von Windhoek und es ist für Familie Tom deswegen sehr schwierig, sie regelmäßig zu besuchen.

In C‘s Fall sind Lulu und Agnes getrennter Meinung. Agnes hat immer wieder betont, dass sie sich Sorgen um C. macht und sie ihn nicht für strak genug einschätzt, wieder eine “Hungersnot” durchzuhalten. Doch Lulu meinte richtig, dass wir ihn nicht gegen das Gesetz bei uns behalten können, sondern dass wir ihn regelmäßig besuchen müssen, um ihn dann im Ernstfall wieder aus der Familie zu nehmen zu lassen. Auch A. wird wieder zu seiner Mutter und ihrem neuen Freund ziehen. Heute haben wir auch für ihn einen kleinen Abschiedstag veranstaltet. Wir sind mit allen Größeren ins Kino (der gestiefelte Kater) und hinterher Pizza essen gegangen. Es war eine Riesen-Aufregung, großes Chaos und natürlich war es furchtbar spannend für alle.

Wer uns leider immer noch Sorgen bereitet ist M.. Sie ist nach ihrem knapp vierwöchigen Krankenhausaufenthalt wieder entlassen worden. Allerdings war sie immer noch sehr steif und uns wurden Übungen gezeigt, die wir regelmäßig (dreimal täglich eine Stunde) mit ihr machen sollten.

Doch im Laufe dieser Woche hat sie schon wieder hoch Fieber bekommen und jetzt ist sie wieder im Krankenhaus. Die Ärzte wissen nicht, ob es Nachfolgen der Meningitis sind oder ob es sich “nur” um eine Grippe handelt, die sie sich aufgrund ihres schwachen Immunsystems eingefangen hat. Wir hoffen, dass sie bald wieder rauskommt, sodass wir nicht wieder Tage lang an ihrem Bett wachen müssen und sie sich endlich erholen kann. Wir sind am Ende jeder Woche völlig geplättet, aber es ist ein großartiges Gefühl, Teil des Baby Haven zu sein. Unsere Tage sind so vielseitig und uns erwarten ständig neue Herausforderungen, Aufgaben und Erfahrungen. Dass für uns schon bald die Halbzeit ist, ist uns mit Schrecken bewusst geworden.

Lea Beck-Knoll und Vera Klar-Winter, Dezember 2011